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Dissoziative Störungen und Posttraumatische Belastungssörung

  • Definition der dissoziativen Störung
  • Formen dissoziativer Störungen
  • Postraumatische Belastungsstörung



Dissoziation - Was ist das?


Der Begriff "Dissoziation" kommt aus dem Lateinischen und bedeutet so viel wie "Trennung" oder "Zerfall". Im Bereich der klinischen Psychologie und Psychiatrie versteht man unter Dissoziation, dass normalerweise zusammengehörige Informationen, Wahrnehmungen, Gedanken etc. nicht miteinander in Verbindung gebracht werden können.

Zwei oder mehr mentale Inhalte oder Prozesse, die normalerweise miteinander in Verbindung stehen (z.B. Bilder eines Erlebnisses, dazugehörige Gefühle und im Gedächtnis gespeicherte Erfahrungen aus früheren Situationen), werden nicht miteinander in Beziehung gesetzt und dadurch nicht in Bewusstsein, Gedächtnis und/oder Selbstbild integriert. Hiervon können unterschiedliche mentale Inhalte wie z.B. Sinneseindrücke, Gedanken, Erinnerungen, Gefühle, Körperempfindungen, Handlungsimpulse oder Bewegungsabläufe betroffen sein.


Formen dissoziativer Störungen



F 44.0 Dissoziative Amnesie


Definition

Das wichtigste Kennzeichen ist der Verlust der Erinnerung für meist wichtige aktuelle Ereignisse, die nicht durch eine organische psychische Störung bedingt ist und für den eine übliche Vergesslichkeit oder Ermüdung als Erklärung nicht ausreicht. Die Amnesie bezieht sich meist auf traumatische Ereignisse wie Unfälle oder unerwartete Trauerfälle und ist in der Regel unvollständig und selektiv. Eine vollständige und generalisierte Amnesie ist selten, dann gewöhnlich Symptom einer Fugue (F44.1) und auch als solche zu klassifizieren. Die Diagnose sollte nicht bei hirnorganischen Störungen, Intoxikationen oder extremer Erschöpfung gestellt werden.


F44.1 Dissoziative Fugue

Definition


Eine dissoziative Fugue ist eine zielgerichtete Ortsveränderung, die über die gewöhnliche Alltagsmobilität hinausgeht. Darüber hinaus zeigt sie alle Kennzeichen einer dissoziativen Amnesie (F44.0). Obwohl für die Zeit der Fugue eine Amnesie besteht, kann das Verhalten des Patienten während dieser Zeit auf unabhängige Beobachter vollständig normal wirken.


F44.2 Dissoziativer Stupor

Definition

Dissoziativer Stupor wird aufgrund einer beträchtlichen Verringerung oder des Fehlens von willkürlichen Bewegungen und normalen Reaktionen auf äußere Reize wie Licht, Geräusche oder Berührung diagnostiziert. Dabei lassen Befragung und Untersuchung keinen Anhalt für eine körperliche Ursache erkennen. Zusätzliche Hinweise auf die psychogene Verursachung geben kurz vorhergegangene belastende Ereignisse oder Probleme.


F44.3 Trance- und Besessenheitszustände

Definition


Bei diesen Störungen tritt ein zeitweiliger Verlust der persönlichen Identität und der vollständigen Wahrnehmung der Umgebung auf. Hier sind nur Trancezustände zu klassifizieren, die unfreiwillig oder ungewollt sind, und die außerhalb von religiösen oder kulturell akzeptierten Situationen auftreten.


F44.4 Dissoziative Bewegungsstörungen

Definition

Die häufigsten Formen zeigen den vollständigen oder teilweisen Verlust der Bewegungsfähigkeit eines oder mehrerer Körperglieder. Sie haben große Ähnlichkeit mit fast jeder Form von Ataxie, Apraxie, Akinesie, Aphonie, Dysarthrie, Dyskinesie, Anfällen oder Lähmungen.


F44.5 Dissoziative Krampfanfälle

Definition


Dissoziative Krampfanfälle können epileptischen Anfällen bezüglich ihrer Bewegungen sehr stark ähneln. Zungenbiss, Verletzungen beim Sturz oder Urininkontinenz sind jedoch selten. Ein Bewusstseinsverlust fehlt oder es findet sich statt dessen ein stupor- oder tranceähnlicher Zustand.


F44.6 Dissoziative Sensibilitäts- und Empfindungsstörungen

Definition

Die Grenzen anästhetischer Hautareale entsprechen oft eher den Vorstellungen des Patienten über Körperfunktionen als medizinischen Tatsachen. Es kann auch unterschiedliche Ausfälle der sensorischen Modalitäten geben, die nicht Folge einer neurologischen Läsion sein können. Sensorische Ausfälle können von Klagen über Parästhesien begleitet sein. Vollständige Seh- oder Hörverluste bei dissoziativen Störungen sind selten.


F44.7 Dissoziative Störungen [Konversionsstörungen], gemischt

Definition

Kombinationen der unter F44.0-F44.6 beschriebenen Störungen.


F44.81 Dissoziative Identitätsstörung früher Multiple Persönlichkeit(sstörung)

Definition


Das Hauptmerkmal der Dissoziativen ldentitätsstörung ist das:

(Kriterium A):Vorhandensein von zwei oder mehr unterscheidbaren Identitäten oder Persönlichkeitszuständen die wiederholt die Kontrolle über das Verhalten der Person übernehmen

(KriteriumB):Es besteht eine Unfähigkeit, sich an wichtige persönliche Informationen zu erinnern; diese ist zu umfassend, um durch gewöhnliche Vergeßlichkeit erklärt zu werden

(Kriterium C):Die Störung geht nicht auf die direkte körperliche Wirkung einer Substanz oder eines medizinischen Krankheitsfaktors zurück

Bei Kindern können die Symptome nicht durch imaginierte Spielkameraden oder andere Phantasiespiele erklärt werden.

Die Dissoziative Identitätsstörung spiegelt die Unfähigkeit wider verschiedene Aspekte der Identität des Gedächtnisses und des Bewußtseins zu integrieren Jeder der Persönlichkeitszustände kann eine unterschiedliche persönliche Geschichte ein unterschiedliches Selbstbild und eine unterscheidbare Identität mit verschiedenen Namen haben. Gewöhnlich existiert eine primäre Identität, die den Namen der Person trägt. Diese ist in der Regel passiv abhängig, hat Schuldgefühle und ist depressiv. Die wechselnden Identitäten haben häufig verschiedene Namen und Charaktereigenschaften, die im Gegensatz zur primären Identität stehen (z. B. sind sie feindselig, kontrollierend und selbstzerstörerisch). Einzelne Identitäten können unter speziellen Umständen auftauchen und sich im berichteten Alter, Geschlecht, der Sprache, dem Allgemeinwissen oder dem vorherrschenden Affekt unterscheiden. Wechselnde Identitäten werden so erlebt, als ob sie für bestimmte Abschnitte auf Kosten der anderen die Kontrolle übernehmen; sie können das Wissen über die anderen leugnen, diesen gegenüber sehr kritisch sein oder sogar im offenen Konflikt mit ihnen stehen. Gelegentlich weisen eine oder mehrere mächtige Identitäten den anderen Zeit zu. Aggressive oder feindselige Identitäten können zeitweise Aktivitäten unterbrechen oder die anderen in unangenehme Situationen bringen.

Personen mit dieser Störung haben häufig Lücken in der Erinnerung der persönlichen Geschichte, sowohl für frühere wie aktuellere Ereignisse. Die Amnesie ist häufig ungleichmäßig. Die passiveren Identitäten haben eine eher eingeschränkte Erinnerung, während die feindseligeren, kontrollierenden oder "Beschützer"-Identitäten vollständigere Erinnerungen aufweisen. Es ist möglich, daß eine Identität, die gerade keine Kontrolle ausübt, versucht, durch die Produktion akustischer oder visueller Halluzinationen einen Zugang zum Bewußtsein zu erlangen (z. B. eine Stimme, die Instruktionen gibt). Beweise für Amnesie können auch durch Berichte von anderen aufgedeckt werden, die Verhalten bemerken, das von der Person geleugnet wird (z.B. das Finden von Kleidungsstücken zu Hause, ohne daß die Person sich erinnern kann, diese gekauft zu haben). Es kann nicht nur zu einem Gedächtnisverlust für immer wiederkehrende Zeitabschnitte kommen, sondern auch zu einem gesamten Verlust der biographischen Erinnerung an einen umfassenden Zeitraum in der Kindheit. Die Übergänge zwischen den Identitäten werden häufig durch psychosoziale Belastungen ausgelöst. Es dauert gewöhnlich nur Sekunden, um von einer Identität zur anderen zu wechseln; seltener kann dieser Übergang auch graduell vonstatten gehen. Die Anzahl der berichteten Identitäten kann von 2 bis mehr als 100 reichen. Die Hälfte der berichteten Fälle beziehen sich auf Personen mit 10 oder weniger Identitäten.


44.9 Nicht Näher Bezeichnete Dissoziative Störung

Definition


Bei der DDNOS ist das vorherrschende Merkmal ein dissoziatives Symptom, also eine Störung der normalerweise integrativen Funktionen des Bewusstseins, des Gedächtnisses, der Identität oder der Wahrnehmung der Umgebung, welches jedoch die Diagnosekriterien für eine spezifische Dissoziative Störung nicht oder nicht vollständig erfüllt.
Typische Beispiele für DDNOS sind nach dem DSM-IV

* Fälle, die der DIS ähneln, bei denen jedoch nicht alle Diagnosekriterien erfüllt sind (z.B. wenn sich keine eindeutig abgrenzbaren Teilpersönlichkeiten nachweisen lassen oder wenn klinisch relevante Amnesien für wichtige persönliche Informationen fehlen) (Typ I),

* Fälle von Derealisation ohne begleitende Depersonalisation (Typ II)

* Zustände von Dissoziation bei Personen, die einem langen und intensiven Prozess von Zwangsmaßnahmen zur Veränderung von Einstellungen ausgesetzt waren (z.B. "Gehirnwäsche", Gedankenbeeinflussung oder Indoktrination in Gefangenschaft)(Typ III),

* Dissoziative Trancestörung (Typ IV; einzelne oder wiederkehrende Phasen von eingeschränkter Bewusstheit von unmittelbaren Umgebungsbedingungen oder stereotypes Verhalten oder Bewegungen, die als außerhalb der eigenen Kontrolle erlebt werden. Besessenheitstrance beinhaltet das Ersetzen der normalen Erfahrung persönlicher Identität durch eine neue Identität, die auf den Einfluss eines Geistes, einer Macht, einer Gottheit oder einer anderen Person zurückgeführt wird und mit stereotypen "unwillkürlichen" Bewegungen oder Amnesie verbunden ist. Trance-Zustände haben einen festen Platz in zahlreichen Kulturen / Religionen. Die Dissoziative Trance-Störung wird daher nicht diagnostiziert, wenn die Trance-Zustände als normaler Teil akzeptierter kollektiver, kultureller oder religiöser Praktiken auftreten. Dies ist bei der differentialdiagnostischen Bewertung von Symptomen zu berücksichtigen.

* Bewusstseinsverlust, Stupor oder Koma, die nicht auf körperliche Krankheiten zurückgeführt werden können (Typ V)

* Ganser-Syndrom (Typ VI; das Geben von annäherungsweise richtigen Antworten auf Fragen (z.B. "2 plus 2 ist 5"), wenn dies nicht mit einer Dissoziativen Amnesie oder Dissoziativen Fugue einhergeht.)


F48.1 Depersonalisations- und Derealisationssyndrom

Definition

Eine seltene Störung, bei der ein Patient spontan beklagt, das seine geistige Aktivität, sein Körper oder die Umgebung sich in ihrer Qualität verändert haben, und unwirklich, wie in weiter Ferne oder automatisiert erlebt werden. Neben vielen anderen Phänomenen und Symptomen klagen die Patienten am häufigsten über den Verlust von Emotionen, über Entfremdung und Loslösung vom eigenen Denken, vom Körper oder von der umgebenden realen Welt. Trotz der dramatischen Form dieser Erfahrungen ist sich der betreffende Patient der Unwirklichkeit dieser Veränderung bewusst. Das Sensorium ist normal, die Möglichkeiten des emotionalen Ausdrucks intakt. Depersonalisations- und Derealisationsphänomene können im Rahmen einer schizophrenen, depressiven, phobischen oder Zwangsstörung auftreten. In solchen Fällen sollte die Diagnose der im Vordergrund stehenden Störung gestellt werden.


F43.1 Posttraumatische Belastungsstörung

Definition

Diese entsteht als eine verzögerte oder protrahierte Reaktion auf ein belastendes Ereignis oder eine Situation kürzerer oder längerer Dauer, mit außergewöhnlicher Bedrohung oder katastrophenartigem Ausmaß, die bei fast jedem eine tiefe Verzweiflung hervorrufen würde. Prädisponierende Faktoren wie bestimmte, z.B. zwanghafte oder asthenische Persönlichkeitszüge oder neurotische Krankheiten in der Vorgeschichte können die Schwelle für die Entwicklung dieses Syndroms senken und seinen Verlauf erschweren, aber die letztgenannten Faktoren sind weder notwendig noch ausreichend, um das Auftreten der Störung zu erklären. Typische Merkmale sind das wiederholte Erleben des Traumas in sich aufdrängenden Erinnerungen (Nachhallerinnerungen, Flashbacks), Träumen oder Alpträumen, die vor dem Hintergrund eines andauernden Gefühls von Betäubtsein und emotionaler Stumpfheit auftreten. Ferner finden sich Gleichgültigkeit gegenüber anderen Menschen, Teilnahmslosigkeit der Umgebung gegenüber, Freudlosigkeit sowie Vermeidung von Aktivitäten und Situationen, die Erinnerungen an das Trauma wachrufen könnten. Meist tritt ein Zustand von vegetativer Übererregtheit mit Vigilanzsteigerung, einer übermäßigen Schreckhaftigkeit und Schlafstörung auf. Angst und Depression sind häufig mit den genannten Symptomen und Merkmalen assoziiert und Suizidgedanken sind nicht selten. Der Beginn folgt dem Trauma mit einer Latenz, die wenige Wochen bis Monate dauern kann. Der Verlauf ist wechselhaft, in der Mehrzahl der Fälle kann jedoch eine Heilung erwartet werden. In wenigen Fällen nimmt die Störung über viele Jahre einen chronischen Verlauf und geht dann in eine andauernde Persönlichkeitsänderung (F62.0) über.






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