Über mich
Mein SVV
Wie alles begann...
Es war im Frühling 2006 als mir alles über den Kopf wuchs.Meine Mutter stresste mich nur noch mischte sich dauernd in die Erziehung meiner Kinder ein nicht machte ich richtig an allem hatte sie was auszusetzen.
Dann im Job war ich auch mittlerweile völlig überfordert da der Laden in dem ich arbeitete immer besser lief und immer mehr Kundschaft da war aber nicht mehr Personal.Ich machte dauernd Überstunden und bekam immer mehr ein schlechtes Gewissen meiner Kleinen gegenüber die es ja gewohnt war das sie kurz vor 16h abegholt wird.Ich schaffte es einfach nie mal nein zu sagen wenn um kurz vor 15h wo ich Feierabend hatte,noch eine Reisegruppe den Laden betrat und sie mich wieder fragte ob ich bleiben könne.
Dann kam dann noch der Haushalt dazu der grösstenteils an mir hängen blieb und die Versorgung der Kinder wobei mir aber meine Mutter auch immer half.Aber grade deswegen übte sie auch viel Macht aus weil sie wusste wie sehr ich auch sie angewiesen war.
Eines Tages lag ich alleine auf dem Bett in unserem Schlafzimmer und war fertig mit der Welt.Ohne irgendwie darüber nachzudenken sah ich auf dem Schreibtisch eine Nadel liegen und fing an voller Wut mir den Arm aufzukratzen.
Ich merkte wie meine Anspannung weniger wurde und hörte wieder auf.Ich habe das dann eine Weile nicht wieder getan aber irgendwann tat ich es dann wieder.Niemand bemerkte etwas davon.
Eines Tages eskalierte ein Streit zwischen meiner Mutter und meinem Freund und er warf sie aus der Wohnung.
Ich war so fertig mit der Welt das ich nur noch dachte *Ich halte das nicht mehr aus ich will sterben*.
Ich ging dann wie in Trance in die Küche nahm ein Messer ging ins Bad sperrte die Tür ab und tat es.Ich schnitt mir in die Pulsader.
Ich war dann selber erschrocken und mein Exmann trat die Tür ein weil ich nach mehrmaligen Bitten von ihm nicht öffnete.
Er war so geschockt das er mir erst mal eine runterhaute.Dann rief er den Notarzt.Die Polizei war gleich mit vor Ort.Ich wollte nicht mitgehen aber sie sagten das sie mich sonst in Handschellen mitnehmen und ich solle lieber freiwillig mitkommen.Mir wurde das erste Mal bewusst wieviel Macht die Polizei hatte.Und abgeführt in Handschellen wie ein Verbrecher das wollte ich dann doch nicht und so ging ich dann eben doch mit.Ich kam das allererste mal in eine Psychatrie.
Sie befragten mich dort alles mögliche unter anderen auch ob ich missbraucht wurde und auf einmal war es als nehme mir jemand den Boden unter den Füssen weg.Plötzlich waren Erinnerungen wieder da die besser da geblieben wären wo sie all die Jahre verborgen waren.In der hintersten Ecke meines Kopfes.
Von diesem Tag an wurde alles schlimmer ich wollte mich nur noch betäuben und tat es manchmal jeden Tag.Bald reichten mir diese *Kratzer*nicht mehr und meine Wunden wurden immer mehr und immer schlimmer.Ich fand keinen anderen Weg mit meinem Schmerz umzugehn als diesen und das half zwar nur kurzfristig aber es half.Es wurde immer massloser ich verlor immer mehr die Kontrolle darüber.
2006 und 2007 waren meine schlimmsten Jahre was das SVV angeht ich war oft in der Notaufnahme weil die Wunden so schlimm waren das sie genäht werden mussten.Bis ich von dieser Therapie hörte und dachte ok entweder es hilft oder es hilft nicht du hast nichts mehr zu verlieren.
Kliniksuche und Diagnostik
Ich erkundigte mich wo es Kliniken gab die diese sogenannte DBT(Dialektisch behaviorale Therapie)anboten und fand zu meinem Glück in meiner Stadt so eine Klinik.Die Berliner Charite...Ich rief dann dort an und bekam mit einiger Wartezeit einen Vorgesprächstermin in dem mir erklärt wurde das man erst mal eine 14tägige Diagnostik machen muss wo festgestellt wird ob man Borderline hat und dort Therapie machen darf.Ich bekam so einen Termin und war im inneren sehr aufgeregt was wohl auf mich zukommen würde.Dann war es so weit.Anfang 2007 wurde ich dort aufgenommen zur sogenannten Diagnostik und bekam erstmal eine megadicke Mappe mit was weiss ich wievielen Fragen für die ich eine Woche Zeit hatte diese zu beantworten.Ich merkte das es dort ganz anders war als ich es bisher aus der Akutpsychatrie kannte und es ging mir dort wieder schlechter.Ich hatte massive Suizidgedanken und sprach mit einem Arzt darüber.Er sagte das ich die Suizidalität für diese Therapie in den Griff bekommen muss sonst könne ich das vergessen.Ich hielt es noch 2 Tage durch dann sagte ich zu den Ärzten das ich für nichts mehr garantieren könne.Dazu muss ich sagen das ich bis dahin schon 3 mal auf der Intensivstation lag wegen Tablettenintoxikation.Sie holten einen Krankentransport und verlegten mich in die akute Psychatrie.Damit war alles umsonst.Ich stand wieder da und fühlte mich als Versagerin weil ich nicht mal diese Diagnostik durchhielt.Es war sehr schlimm diese Erfahrung zu machen und ich entschloss mich zu einem zweiten Versuch.Durch die langen Wartezeiten war dann der nächste Termin irgendwann im Herbst.Diesmal war alles anders ich habe das ohne Probleme durchgehalten und am letzten Tag wurde mir gesagt ich habe Borderline und ich könne dort Therapie machen.Ich dachte ok diese Chance wirst du nun nutzen...
Die DBT Therapie
Nach einer Zeit wurde ich dort auf aufgenommen zur DBT und ich wurde einer Gruppe zugeteilt und bekam mein Zimmer.Zu meinem Glück kannte ich meine Bettnachbarin schon aus der Diagnostik und war froh das sie es war mit der ich mein Zimmer nun 3 Monate teilen sollte.Ich bekam einen Therapieplan und lernte die Leute aus meiner Gruppe kennen.Ich fand mich schnell zurecht und kam mit den anderen gut aus.Mir wurden die Regeln erklärt und dazu zählten unter anderem wer sich selber verletzt bekommt 2h ein Timeout wo man an keiner Therapie teilnehmen durfte egal was es war und musste sich zurückziehen und ein sogenanntes Sorgschema schreiben wo man erklären musste was der Auslöser war,wie man sich dabei fühlte,was kurz und langfristig positiv und negativ an der Selbstverletzung war.Ausserdem mussten wir darüber schreiben welche Handlungsalternativen es beim *nächsten Mal*gibt.Dann hiess es eine Bezugsgruppe abzuhalten,was soviel hiess das man mindestens 3-4 Leute aus seiner Gruppe in der man war, zusammenrufen musste,je nachdem wie die anderen so Zeit hatten,konnte das manchmal dauern und dann musste man der ganzen Gruppe dieses Sorgschema erzählen/erklären.Das Sorgschema wurde selbstverständlich auf einer Flipchart geschrieben was so eine grosse Tafel ist.Wenn man es der Gruppe erklärt hatte wurde es besprochen mit den anderen man bekam evtl .noch Tips was man noch anders machen könnte ect.Danach musste man zu der Pflege gehn und jemanden bitten dazu zu kommen.Dann musste ein anderer der aus der Gruppe das Sorgschema dem Pfleger die auch Co-Therapeuten genannt wurden vortragen und es wurde noch einmal besprochen.Erst wenn das alles passiert ist durfte man wieder an den Therapien teilnehmen.Das hat wirklich bei allen gut gewirkt das SVV ging bei den meisten zurück denn man wollte nicht dauernd die anderen zu einer Bezugsgruppe zusammenrufen.Ausserdem lernte man in den anderen Therapien gute Alternaiven sogenannte Skills um die Anspannungszustände anders zu regulieren als mit SVV...
Die Therapie dauerte 3 Monate.Es war das einzigste was mir nachhaltig wirklich sehr geholfen hat.
Heute verletze ich mich so gut wie garnicht mehr denn ich habe viel aus der DBT mitgenommen und sie hat mir sehr geholfen.
Was geblieben sind,sind unzählige Narben auf beiden Ober und Unterarmen die mich immer für den Rest meines Lebens an diese Zeit erinnern werden,denn die werden nie wieder verschwinden.
Kurze Sachen traue ich mich noch immer nicht zu tragen da es sehr schlimm ausieht immer noch.
Ich hoffe sie eines Tages als einen Teil meines Lebens anzuerkennen und mich nicht mehr zu verstecken.